Startseite Schule Schulleben Förderverein Europa Elterninformation Termine Falkensee Impressum
Elterninformation:



Themen:
Schulanfänger
Gepräche
Beurlaubungen
Schulweg
Pausenbrot
Schulgesetz
Ferienkalender


Schulweg

T I P P S   F Ü R   D E M   S I C H E R E N   S C H U L W E G 

Eltern sollten die beste Route bzw. Schulweg immer gemeinsam mit den Kindern festlegen und einüben.
Die Straße sollte immer nur an den sichersten Stellen überquert werden, auch wenn damit ein kleiner Umweg verbunden ist.
Auch bei wenig Verkehr grundsätzlich erst an der Bordsteinkante anhalten und sich dann nach links, rechts und wieder links orientieren!
An Zebrastreifen müssen die Schulanfänger erst Blickkontakt zu den herannahenden Autofahrern aufnehmen, bevor der erste Schritt auf die Straße getan wird.
Eltern sollten ihr Kind auch nach dem ersten Schultag beobachten, um festzustellen, ob es sich leicht ablenken lässt.
Die Kleinen sollten morgens frühzeitig nach einem richtigen Frühstück aus dem Haus gehen, um Schulwegstress zu vermeiden.
Kinder sollten im Straßenverkehr stets helle, farbenfrohe Kleidung tragen.
Ein Schulranzen aus reflektierendem Material bringt zusätzliche Sicherheit.
Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, sollten sie nur in einem zugelassenen, altersgerechten Kindersitz transportieren und nur nach rechts aussteigen lassen (Gehwegseite).
Mit dem Fahrrad sollten Kinder frühestens nach der Radfahrausbildung im 4. Schuljahr zur Schule fahren - und nur mit einem Schutzhelm
Schülerlotsen-/Elternlotseneinrichtungen in Anspruch nehmen (wenn vorhanden)
Machen Sie Ihr Kind nicht ängstlich, und seien Sie es selbst auch nicht. Denn Angst macht unsicher. Wer aber die möglichen Gefahren und die Regeln des Straßenverkehrs kennt und sich sorgfältig danach richtet, der kommt auch sicher an.


Nach oben

1.1 Kinder als Verkehrsteilnehmer

Kinder (0-14 Jahre) haben einen erheblichen Bewegungsdrang und eine große Neugierde. Das führt dazu, dass Kinder sich viel außerhalb des Hauses aufhalten. Oft wird vermutet, Kinder seien relativ immobil und nähmen nur unterdurchschnittlich am Verkehr teil. Kinder sind jedoch nicht nur öfter im Straßenverkehr unterwegs, sondern auch länger.

Verkehrsmittelwahl

55 % aller Wege machen Kinder zu Fuß. Ihr Fußweganteil ist doppelt so hoch wie der von Erwachsenen. Auch das Fahrrad (inklusive Kinderfahrräder, Dreiräder, Roller) hat für Kinder eine besondere Bedeutung. Kinder legen mit dem Fahrrad doppelt so viele Wege zurück wie Erwachsene. Der Anteil der Nutzung nichtmotorisierter Verkehrsmittel beträgt bei Kindern insgesamt 75 %. Mobilität.Kinder haben bereits ein vielfältiges Aktivitätenprogramm mit täglichen Pflichtwegen sowie regelmäßigen Freizeitprogrammen.Das führt dazu, dass Kinder besonders viel außer Haus unterwegs sind. Sie machen täglich 20 % mehr Wege als Erwachsene. Selbst die 3- bis 5jährigen sind schon sehr mobil und kommen im Sommer mit 2,4 Wegen pro Tag auf fast genauso viele Wege wie die Erwachsenen.

(Quelle: H. Monheim, R. Monheim-Dandorfer 1990)

Hauptsächlich im Sommer sind Kinder länger unterwegs als Erwachsene. Wege von Kindern sind weniger zielstrebig und eilig.Kinder bummeln gern und genießen auf spielerische Weise das Straßenleben.


Mobilitätsverbot

Die Mobilitätswerte der Kinder lägen noch viel höher, würden nicht viele Eltern den besonderen Mobilitätsdrang ihrer Kinder aus Angst vor den Verkehrsgefahren durch Verbote einschränken.

Elternbegleitung

Die Begleitung von Vorschulkindern gilt heute als soziale Selbstverständlichkeit. Hauptgrund dafür ist nicht die Entfernung zwischen Wohnung und Kindergarten/Schule/Spielplätzen, sondern die nicht ausreichende Sicherheit. Im Jahr 1975 legten in der Bundesrepublik immerhin noch 23 % aller Kinder ihre Kindergartenwege ohne Begleitung zurück, während es 1984 nur noch 11 % waren.

Die Begleitung des Kindes wird nach der Einschulung noch fortgesetzt. Der Anteil der 6jährigen, die in Begleitung Erwachsener zur Schule gehen, hat sich von 10 % im Jahre 1975 auf 31 % im Jahre 1984 erhöht.
(Quelle: A. Flade 1992)

Verkehrsangst

Kinder fürchten sich vor allem, mit dem Fahrrad am Verkehr teilzunehmen. Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates ergeben.
Danach befragt, wovor sie sich fürchten, gaben die befragten Kinder an:

- 45 %: Fahrrad zu fahren
- 31 %: zu Fuß unterwegs zu sein
- 6 %: im Pkw mitzufahren

Die Angst der Kinder bezog sich vor allem auf Autos und rücksichtslose Autofahrer.

- Etwa 29 % der Kinder fürchten sich vor Autos allgemein.
- Weitere 11 % gaben an, vor zu schnellen Autos und rücksichtslosen Autofahrern Angst zu haben.

(Quelle: H. Monheim, R. Monheim-Dandorfer 1990)


1.2 Leistungssituation

Zank mit den Geschwistern, Freunden oder Freundinnen, ein mulmiges Gefühl im Bauch, Müdigkeit, freudige Gedanken an Spiele mit Freunden und Freundinnen am Nachmittag ... Ein Kind im Alter von sechs oder sieben Jahren hat alle möglichen Dinge im Kopf, hat Phantasie, Freude, Sorgen, Interessen und Bedürfnisse wie Erwachsene.
Die Lebens- und Wahrnehmungswelt der Kinder ist eine andere als die der Erwachsenen: eine gefährliche Voraussetzung für die Teilnahme am Straßenverkehr. Entwicklungsbedingt besitzen Kinder nur begrenzte Fähigkeiten und Fertigkeiten. Geringe Körpergröße und unkoordinierte Bewegungen sind die körperlichen Grundlagen für das unsichere Verhalten der Kinder im Straßenverkehr (siehe 1.2.1 Körperliche Voraussetzungen) Wichtige Sinnesorgane wie Auge und Ohr sind bei Kindern noch nicht voll entwickelt. Dadurch sind die Wahrnehmungsleistungen eingeschränkt. Kinder können Entfernungen und Geschwindigkeiten noch nicht richtig einschätzen.(siehe 1.2.2 Wahrnehmung) Kinder denken und handeln ichbezogen, spontan und impulsiv. Sie können sich nicht in andere Verkehrsteilnehmer hineinversetzen und Geschehensabläufe gedanklich vorwegnehmen. Sie können nicht zwischen Sehen und Gesehenwerden unterscheiden. Kinder vermischen Phantasie und Wirklichkeit und haben noch kein ausgeprägtes Gefahrenbewusstsein. (siehe 1.2.3 Geistige Verarbeitung und Verhalten) Auch wenn Kinder die einfachsten Verkehrsregeln schon kennen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie sich nicht daran halten. Gründe hierfür können u. a. sein: Unverständnis, Überforderung oder Ablenkung. (siehe 1.2.4 Verkehrswissen)

1.2.1 Körperliche Voraussetzungen

Schon die geringe Körpergröße und Schrittlänge lässt Kinder im Straßenverkehr anders auftreten als Erwachsene. Kinder haben ihre Bewegungen noch nicht unter Kontrolle und reagieren oft impulsiv. Es fällt ihnen schwer, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun.

Körperwachstum

Wegen seiner geringen Körpergröße sieht das Kind die Welt anders als Erwachsene. Vom gleichen Standort aus betrachtet, haben viele Gegenstände für das Kind ganz andere Größen und Perspektiven und wirken beherrschend und angsteinflößend bzw. nehmen einfach Sicht weg. Aus diesem Grund bereitet es dem Kind mehr Schwierigkeiten, einen Überblick über die Situation zu gewinnen. Es kann nicht über parkende Autos hinwegsehen. Das Kind sieht weniger und wird weniger gut gesehen als erwachsene Personen. Mit ihren kurzen Beinen machen Kinder nur halb so große Schritte wie Erwachsene, d. h. sie benötigen mehr Zeit, um die gleiche Strecke zurückzulegen. Bei der Fahrbahnüberquerung bleiben sie somit länger im gefährlichen Raum. Bis zum Schuleintritt liegt der Körperschwerpunkt bei Kindern deutlich höher als bei Erwachsenen. Kinder können vor allem beim schnellen Laufen und an Unebenheiten (Bordstein) eher das Gleichgewicht verlieren.

Bewegungskontrolle

Kinder können ihre Bewegungsabläufe noch nicht so steuern wie es normalerweise Erwachsene können. Kinder im Vorschulalter können einmal begonnene Bewegungsabläufe häufig nicht unterbrechen oder kontrollieren. Weiterbewegen hat Vorrang vor Stoppen, Geradeausschauen Vorrang vor Rechts- oder Linksorientierung.Kinder reagieren langsamer als Erwachsene und lassen in der Regel ihren Lauf auspendeln. Laufen und Sehen sind beim Kleinkind stärker aneinandergebunden als beim Erwachsenen. Das Kind kann geradeaus schauen und laufen, aber schlechter als Erwachsene geradeaus laufen und dabei nach links und nach rechts schauen. Dazu bleibt es entweder stehen oder es ändert die Laufrichtung. Das gilt auch für das Fahrradfahren.

Bewegungsdrang

Kinder müssen sich bewegen. Bewegung bedingt, weit über das Motorische hinaus, die geistig-seelische Entwicklung. Sich Bewegen erweitert den Horizont, stärkt das Selbstvertrauen und schafft Beziehungen zu den Mitmenschen. Kinderwelt ist Bewegungswelt, die sich im Spannungsfeld zwischen Wollen und Können abspielt. Ab etwa dem 5. Lebensjahr kann bei Kindern ein besonders starker Bewegungsdrang beobachtet werden. Dieser Bewegungsdrang entsteht zum einen durch die Anpassungsleistung an die fortwährende Veränderung der kindlichen Proportionen, zum anderen durch die Spannung nach längeren Phasen der Bewegungsarmut in Wohn- oder Spielräumen.Hauptsächlich nach Kindergarten- oder Schulschluss ist der Bewegungsdrang extrem hoch. Schon seit Jahren registrieren Kinderärzte eine Zunahme grobmotorischer Bewegungsstörungen (Zappeligkeit, Nervosität) bei Kindern und Jugendlichen, weil es im Alltag und im Wohnumfeld an ausreichenden Bewegungsmöglichkeiten fehlt.

(Quellen: DVR 1991, R. Huguenin 1976)

1.2.2 Wahrnehmung

Der Seh- und Hörapparat von Kindern ist noch nicht voll entwickelt. Kinder brauchen insgesamt länger, um Eindrücke zu verarbeiten. Bei einer Vielzahl von Reizen sind Kinder schnell überfordert. Außerdem haben sie Schwierigkeiten, den Überblick zu behalten und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen.

Sehen

Die Augenbewegungen von Kindern sind weniger schnell. Kinder sehen "langsamer" als Erwachsene. Sie benötigen längere Zeit, um Gesehenes oder Beobachtetes in ihren Erfahrungsschatz einordnen zu können. Kinder orientieren sich häufig nicht am Gesamteindruck einer Situation, sie greifen Einzelaspekte heraus. Das Blickfeld von Kindern ist um etwa ein Drittel kleiner als bei Erwachsenen. Dadurch können sie seitlich näherkommende Fahrzeuge erst wesentlich später wahrnehmen. Die Umstellung des Auges vom Nah- auf den Fernbereich und umgekehrt dauert länger. Im Erkennen von Formen besteht noch größere Unsicherheit. Die Tiefenwahrnehmung ist noch nicht voll entwickelt. Bei der Farbwahrnehmung bestehen Probleme. Das Einschätzen von Entfernungen/Geschwindigkeiten bereitet große Schwierigkeiten. Es besteht größere Anfälligkeit gegenüber Täuschungen.

Hören

Kinder im Vorschulalter können noch nicht so gut hören wie Erwachsene. Erst im sechsten Lebensjahr ist das Hörvermögen voll ausgebildet.Kinder haben auch Schwierigkeiten, Geräusche zu unterscheiden. Hinzu kommt, dass es Kindern schwer fällt, die Richtung zu bestimmen, aus der ein Geräusch kommt. Demzufolge ist auch die Zuordnung von Geräuschen zu möglichen Gefahrenquellen (z. B. einem sich nähernden Auto) nur unzureichend. Wenn Kinder spielen, nehmen sie häufig nicht wahr, was um sie herum passiert. So gelingt es oft nur schwer, ein Kind durch Hupen oder Rufe zu warnen, wenn es durch andere Dinge abgelenkt ist.

Informationsverarbeitung

Kindern fällt es schwer, aus der Fülle von Reizen, die auf sie einströmen, eine richtige "Auswahl" zu treffen. Reize, die von Erwachsenen als wichtig eingeschätzt werden, werden von Kindern nicht in gleicher Weise wahrgenommen. Bei einer Vielzahl von Reizen sind Kinder schnell überfordert. So halten sich kleine Kinder die Ohren zu, wenn ihnen die Geräuscheeindrücke in ihrer Umgebung zu viel werden.
Entfernungsschätzung


Kindern fällt es schwer, Entfernungen richtig einzuschätzen. Das wird problematisch, wenn sie vor der Fahrbahnüberquerung beurteilen sollen, ob ein Fahrzeug noch weit genug entfernt ist, um die Straße passieren zu können. 5 bis 7jährige Kinder neigen dazu, die Distanz zu entfernten Gegenständen zu unterschätzen.

Geschwindigkeitsschätzung

Kinder unter 10 Jahren haben Schwierigkeiten, Geschwindigkeiten zu schätzen und von Fahrzeugen zurückgelegte Strecken mit der dafür benötigten Zeit in Beziehung zu setzen. Jüngere Kinder merken nicht, dass ein Auto schneller ist als ein Fahrrad. 3- bis 4jährige Kinder können ein stehendes nicht von einem fahrenden Fahrzeug unterscheiden. Außerdem wissen sie nicht, dass ein Fahrzeug einen Bremsweg benötigt. Sie sind auch nicht in der Lage zu erkennen, ob ein Fahrzeug bremst.

(Quellen: DVR 1991, R. Huguenin 1976)

1.2.3 Geistige Verarbeitung und Verhalten

Das kindliche Denken und Handeln ist "ichbezogen" und stark von augenblicklichen Gefühlen geprägt. Kinder können sich nicht in andere Verkehrsteilnehmer hineinversetzen und Geschehensabläufe gedanklich vorwegnehmen. Weiterhin können sie nicht zwischen Sehen und Gesehenwerden unterscheiden. Mit diesen Verhaltensweisen sind Kinder im Straßenverkehr, der vernünftige Entscheidungen und die Einordnung unter Zurückhaltung der eigenen Ansprüche fordert, insgesamt vielfältigen Gefahren ausgesetzt.

Egozentrisches Denken und Handeln

Ein Kind denkt und handelt "ichbezogen". Das heißt, es erlebt seine Umwelt vorwiegend im Hinblick auf seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Eine Sache ist nur dann interessant, wenn sie die kindlichen Wünsche und Bedürfnisse befriedigt. Der Straßenverkehr ist demnach für Kinder uninteressant. Weil für Kinder nur die eigene Sichtweise existiert, ist es für sie auch schwer oder unmöglich, Situationen und Ereignisse aus der Sicht eines anderen zu erleben und deren Verhalten vorauszusehen. Das Denken der Kinder ist vom Augenblick bestimmt. Eine Voraussage über die Entwicklung einer Verkehrssituation ist ihnen kaum möglich. Folglich unterscheiden Kinder auch nicht zwischen Sehen und Gesehenwerden. Wenn Kinder zwischen Sichthindernissen auf die Fahrbahn treten, vermuten sie, dass der Autofahrer sie sieht, weil sie ihn ja auch sehen.

Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit ist immer zeitlich begrenzt. Kindern im Vorschulalter gelingt Konzentration auf eine sie nicht interessierende Sache nur äußerst selten. Erst Kinder im Alter von fünf bis sieben Jahren beginnen, ihre Aufmerksamkeit bewusst für längere Zeit auf Objekte zu richten, auf die sie sich konzentrieren sollen. Kinder unter 9 Jahren sind kaum in der Lage, sich auf zwei oder mehr Dinge gleichzeitig zu konzentrieren. Deshalb kann ein Kind, das beispielsweise mit einem Ball spielt, nicht gleichzeitig an den Straßenverkehr denken. In komplexen Situationen sind Kinder überfordert, da sie nicht imstande sind, gleichzeitig von mehr als einer Seite drohende Gefahren einzuschätzen. Die Aufmerksamkeit von Kindern richtet sich oft auf nicht verkehrsbezogene Objekte, die ihnen interessanter erscheinen als Fahrzeuge.

Phantasie

Kinder vermischen oft Phantasie und Wirklichkeit. Zur Beurteilung des Straßenverkehrs mit seinen gefährlichen Situationen ist aber eine realistische Einschätzung notwendig. Zum Beispiel bei der Fahrbahnüberquerung: Kinder müssen dabei den Verkehr beobachten und eine Entscheidung fällen, wann der richtige Zeitpunkt für die Überquerung gekommen ist.

Ungeduld

Kinder können nicht lange warten. Wenn Kinder z. B. den Entschluss gefasst haben, die Fahrbahn zu überqueren, und dann lange warten müssen, kann das zu unkontrolliertem Verhalten führen.

Gefahrenbewusstsein

Kinder haben noch kein ausgeprägtes Gefahrenbewusstsein. Sie können Gefahren im Straßenverkehr schlecht erkennen und erleben gefährliche Situationen als ungefährlich.


1.2.4 Verkehrswissen

Viele Kinder kennen die einfachsten Verkehrsregeln. Sie können aber viele dieser Regeln nicht verstehen und nicht richtig anwenden. Besonders in komplizierten Situationen können Kinder oft nicht angemessen reagieren.


Regelakzeptanz

Kinder sind noch kaum in der Lage, den Nutzen und Sinn von Verkehrsregeln zu begreifen und anzuerkennen. Sie sehen sich durch die Regeln vielmehr in ihrem natürlichen, spontanen Bewegungsablauf und der spielerischen Erfassung der Umwelt behindert.

Regelwissen

Kinder im Vorschulalter können ein sehr gutes Verkehrswissen aufweisen. Das heißt aber nicht, dass die Verarbeitung des konkreten Verkehrsablaufs eben so gut ist. Viele Kinder kennen die einfachen Regelungen für Fußgänger, z. B. die an Ampeln oder an Zebrastreifen. Sie wissen auch, dass man vor dem Überqueren der Straße mehrmals nach beiden Seiten sehen muss. Oft ist allerdings fraglich, ob das Kind wirklich nach herannahenden Fahrzeugen Ausschau hält, oder ob sie das Nach-links-und-rechts-Schauen nur als Ritual vollziehen.

Lernverhalten

Die Unterscheidung von rechts und links ist im Vorschulalter unsicher und erschwert ein systematisches Lernen der elementaren Regeln, um die Straße zu überqueren. Kinder lernen meist leicht und schnell, vorrangig durch die Nachahmung des elterlichen Vorbildes. Das heißt aber auch, dass sie regelwidriges Verhalten der Eltern und anderer Verkehrsteilnehmer imitieren. Nur durch wiederholtes Üben können Kinde auf den Straßenverkehr vorbereitet werden. Bis sie genügend Erfahrungen gesammelt haben, vergehen Jahre. Erst ab dem Alter von etwa 9 Jahren überqueren Kinder die Straßen meist normgerecht.

Komplexe Situationen

In schwierigen Situationen können Kinder mit ihren sehr einfachen Regelkenntnissen keine richtigen Lösungen für ihr eigenes Verhalten finden. Das ist zum Beispiel der Fall:

- beim Überqueren einer stark befahrenen Straße, wo gleichzeitig mehrere Autos beobachtet werden müssen

- bei zugeparktem Gehweg, auf dem das Kind mit dem Rad fährt

- bei grüner Fußgängerampel und gleichzeitig abbiegenden Autos.



Fahrphysik

Über das Fahrverhalten von Autos wissen zumindest kleinere Kinder nicht Bescheid. In ihrem magischen Weltbild ist das Auto ein Wunderding oder lebendiges Wesen, das selbständig fährt und reagiert und alles kann. Deshalb realisieren die Kinder auch nicht, dass ein Auto einen Bremsweg benötigt. Sie denken, es könne auf der Stelle anhalten. Erschwerend in diesem Zusammenhang ist, dass Kinder Distanzen, Geschwindigkeiten und Zeiten nicht einschätzen können.(siehe 1.2.2 Wahrnehmung)

(Quellen: DVR 1991, R. Huguenin 1976)


1.3 Kinder als Fußgänger

Die weitaus meisten der in Unfälle verwickelten Kinder im Alter bis acht Jahre verunglücken als Fußgänger. Jüngere Kinder verunglücken meist nachmittags beim Spielen im Umfeld der elterlichen Wohnung. Typischerweise kommt es zum Unfall, wenn ein Kind aus dem Spiel heraus ohne ausreichende Orientierung, verdeckt durch ein Sichthindernis, die Fahrbahn überquert. Auch auf Kindergarten- und Schulwegen kommt es zu Unfällen, jedoch seltener als angenommen wird.

Wohnumgebung

Eine Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) kommt zu dem Ergebnis, dass die meisten Kinder in ihrer direkten Wohnumgebung beim Spielen auf der Straße verunglücken. Nur ein Sechstel der Kinder verunglücken auf dem Schulweg. Kinder unter 8 Jahren verunglücken hauptsächlich in verkehrsberuhigten Bereichen oder Straßen ohne Durchgangsverkehr. Ältere Kinder erweitern ihren Aktionsradius und sind meist auf Straßen mit Durchgangsverkehr oder Hauptverkehrsstraßen in Unfälle verwickelt.

Spiel

Kinder spielen mit Vorliebe auf geteerten und gepflasterten Bereichen. Wegen mangelnder Alternativen weichen sie auf die Straße aus. Die Bewegungsspiele sind für die Entwicklung des Kindes von besonderer Bedeutung. Sie können stufenweise ihren Aktionsradius ausweiten, sich weitere Territorien erschließen und sich mit einem außerhäuslichen Erfahrungsfeld auseinandersetzen. Diese wichtige Funktion ist allerdings davon begleitet, dass Kinder durch das Spiel in eine "andere Welt" versinken. Ihre Aufmerksamkeit für den Straßenverkehr geht dadurch verloren. Kinder früherer Generationen konnten sich bereits im Alter von drei bis vier Jahren frei und ungefährdet im Wohnumfeld bewegen. Heutigen Kindern ist das nur noch begrenzt möglich, selbst wenn sie schon acht oder neun Jahre alt sind. Bei der Befragung durch die BASt gaben Kinder an, dass sie oft auf der Straße spielen und das in aller Regel ohne Aufsicht der Eltern:

- 59 % der 6- bis 8jährigen
- 65 % der 9- bis 11jährigen
- 35 % der 12- bis 14jährigen.


Gefahren

Die größten Gefahren für alle Kinder sind die Autofahrer.

Die Unfallursachen sind: Sichtbehinderungen durch parkende Fahrzeuge und zu hohe Fahrzeuggeschwindigkeiten

Weitere Gefahren entstehen beim

- Voraus- oder Nachlaufen einer Begleitperson
- plötzlichen Überqueren der Fahrbahn, um zu einem Ziel auf der anderen Straßenseite zu gelangen
- ungeduldiges Warten an der Ampel und schließlich Gehen bei Rot
- Umgehen von Fußgängerüberwegen.

(Quellen: BASt 1992)



Nach oben

Druckbare Version